Ausstellung
Home. A User's Manual

Veranstalter: gta Ausstellungen
Datum: Mittwoch, 6. März 2019 bis Freitag, 5. April 2019 — Eröffnung: Dienstag, 5. März 2019, 18 Uhr
Ort: ETH Zürich, Hönggerberg
 



Eröffnung
Dienstag, 5. März 2019, 18 Uhr
ETH Zürich, Hönggerberg

Home. A User's Manual
Cinzia Ruggeri with Mariuccia Casadio, Alessandro Guerriero, Aldo Lanzini, Ugo La Pietra, Luigi Serafini and Wang Shuo


Wir freuen uns die Ausstellung Home. A User’s Manual zu präsentieren, ein fiktives Gebäude der Designerin und Künstlerin Cinzia Ruggeri sowie sechs eingeladenen Teilnehmenden. Der Titel der Ausstellung geht auf Georges Perecs einflussreichen Roman «La Vie mode d’emploi» (Das Leben Gebrauchsanweisung) zurück, in dem der Autor minutiös alle 99 Räume eines imaginären Pariser Mietshauses beschreibt – von den Objekten, Möbeln über architektonische Elemente bis hin zu den Bewohnern und Besuchern des Hauses.

Ruggeri war von den späten 60er bis frühen 90er Jahre eine aktive Figur im kreativen Kosmos Mailands und gilt hinsichtlich ihres radikalen Ansatzes in Mode- und Interiordesign als eine Pionierin. Ihre Kreationen bewegen sich typischerweise zwischen den Disziplinen und lassen Design mit Kunst und Architektur, aber auch mit psychologischen und behavioristischen Aspekten verschmelzen. Ruggeri versteht das Kleid nicht als eine blosse Hülle der Trägerin, sondern als einen Raum, den es zu bewohnen gilt. Beispielhaft ist dies am Ziggurat-Kleid zu erkennen, das unverkennbar die architektonische Form einer Treppe evoziert. Möbel und Wohnaccessoires unterstützen nicht nur körperliche Bedürfnisse, sondern werden selbst zu Körpern, die eingekleidet werden möchten. Selbst eine Glühbirne ist ihres eigenen Schmucks würdig. Stets mit einem surrealen und oft humorvollen Ton durchdrungen, greifen Ruggeris Entwürfe Gewohntes auf, um im gleichen Zug damit zu brechen.

Home. A User’s Manual bietet einen Einblick in Ruggeris Oeuvre und nimmt gleichzeitig den Mailänder Kontext in den Blick. Ruggeri hat sechs Freunde eingeladen, deren Werke als Referenzpunkte und im Kontrast zu ihren eigenen funktionieren. Mariuccia Casadio, Alessandro Guerriero, Aldo Lanzini, Ugo La Pietra, Luigi Serafini und Wang Shuo nehmen in ihren Beiträgen zu ihrer jeweiligen Idee des Häuslichen Stellung und tragen Objekte, Kleidungsstücke, Zeichnungen, Videos und Texte zusammen. In diesem fiktiven Gebäude koexistieren sie in einem freundschaftlichen Spannungsverhältnis.

Der Begriff des Häuslichen ist ein Tummelplatz der Kontroversen. Als universelles Konzept dient das Häusliche als Auslöser für Ideen, die über funktionale oder problemorientierte Anliegen hinausgehen, da sie buchstäblich einen bestimmten Lebensstil zum Ausdruck bringen. In ihrer Singularität sind diese Objekte Verdichtungen ihrer individuellen ästhetischen Horizonte und implizieren darüber hinaus einen gewissen Habitus der Nutzerin oder des Nutzers. Allerdings ist der Begriff des Häuslichen auch tief in Gender-Stereotypen und historischen Kodifikationen verwurzelt, die eine kritische Neubewertung erfordern. Durch das Einbeziehen von Design in ein grösseres soziokulturelles Umfeld und durch das Herausfordern etablierter Vorstellungen des Wohnens standen Ruggeri und die hier zusammen gebrachten Designer und Künstler stets an der Spitze dieses kritischen Projekts, das bereits 1972 mit der MoMA-Ausstellung Italy: The New Domestic Landscape einen bedeutenden Höhepunkt erfuhr.

Das Ausstellungsdisplay reflektiert den Begriff des Häuslichen durch das Unterteilen des Ausstellungsraums in mehrere Zimmer, wobei alle Teilnehmenden jeweils ein Zimmer bespielen. Ihre Anordnung ist durch den Grundriss des Palazzo Farnese in Rom – eine Ikone der italienischen Renaissance-Architektur – definiert. Dieser wurde um 45 Grad gedreht und auf dem Boden des Ausstellungsraums mit einem speziell für diesen Anlass entworfenen Klebeband markiert. Der auf dem Band abgebildete Hund, ein Markenzeichen Ruggeris, verweist auf ihr Interesse für die Beziehung zwischen Organischem und Künstlichem, welche durch die Vorstellung des Hundes als heimischer Cyborg versinnbildlicht wird.